I can watch a sunset on my own

Songs der Stunde: Kate Nash - Foundations // Kate Nash - Mariella // Kate Nash - Nicest Thing // Jack Penate - Spit At Stars // Klaxons - Atlantis To Interzone // Deichkind - Ich betäube mich

 Das Gehirn schaltet sich aus. Ich sehe nur noch das Step-Brett vor mir, die Beats hämmern in mein Ohr, ich höre das Geschrei der zierlichen durchtrainierten Frau vorne vor dem Spiegel und meine Beine bewegen sich mechanisch. Übers Step drehen jetzt, Side-Kick, Peng, zurückhüpfen, Mambo und alles von vorne. Die ersten Schweißperlen laufen mir die Wange herunter, meine Backen werden rot und die Hose fängt an an meinem Oberschenkel zu kleben. Wer nachdenkt verliert. Endlich hat der Kopf und das Gedankenkino einmal kurz Pause. Für eine Stunde. Dann stehe ich wieder im Regen, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Mit jeder Trainingsstunde werde ich besser, mache keine Fehler mehr, kann locker mithalten. Immerhin da. Denn außerhalb dieses Raumes dreht sich alles zu schnell, zu schnell für mich. Ich komme nicht hinterher, nicht mit meinem Tun, nicht mit meinen Gefühlen. Die Stunden verstreichen, der Zeiger auf der Uhr dreht sich so fix als ob jemand vorgespult hätte auf dem Videoband. Ich werde träge, lustlos, jetzt lohnt es eh nicht mehr. For what it´s worth? Ich weiß es nicht. Für die tollen Songs von Kate Nash vielleicht. Die Elektro-Pop Prinzessin und moderne Kreuzung von Tori Amos, Björk und Regina Spektor. Ja, das ist schön. Jetzt ist schon wieder Weihnachten. War das nicht gerade erst? Und was war seitdem? Nicht viel. Außer Tränen. Ist das wieder gut zu machen? Ich bin unsicher, auch wenn das Handy nicht mehr schweigt. You said I must eat so many lemons, cause I am so bitter. Mit Tequila dann aber bitte. Das letzte Semester, ein Lebensabschnitt geht zu Ende. Was kommt und was bleibt. Was will ich mit rüber nehmen in die neue Zeit und was zurücklassen. Kate Nash kommt mit. Die Erinnerungen auch. Auch wenn Nietzsche meint sie würden uns behindern. Machs wie die Schafe! Nur den Augenblick wahrnehmen und danach alles vergessen. Das werd ich mal ausprobieren. Zumindest beim Kicken auf dem Step.

Schieb den Wal zurück ins Meer!

Songs der Stunde: Jack Penate - Torn on the platform // Jack Penate - Spit at stars // Art Brut - Emily Kane // Freshlyground - Doo be doo // Freshlyground - Zithande // Unathi - Ngyak Khumbula // Funny van dannen - der Wal // Colbie Caillat - the little things // John Legend - Sun comes up

 

Ich glaube an Karma. Dass Handlungen Konsequenzen haben und das den Menschen, die anderen schlechtes tun, auch schlechtes wiederfährt. Kann ja auch nicht sein, dass man ungescholten davon kommt, wenn man anderen so sehr weh tut. Und doch gibt diese Karma-Erkenntnis nur kurz Genugtuung, noch immer tänzle ich auf einem dünnen Seil, mit schönen Ballerinas zwar, aber doch recht wacklig und immer nah am Abgrund. Der Markenname auf dem Latte Macchiatto-Glas schafft es innerhalb von Sekunden meine gute Laune, meine Pläne und meinen Aktionismus zu zerstören. Wieder am Boden, wieder aufstehen und sich diesmal vornehmen stärker zu sein. Es erscheint oft so als hätten nur die anderen Menschen ein spannendes Leben, würden Neues erleben und Hürden meistern, ich bleibe dahinter zurück, auch wenn es objektiv vielleicht gar nicht so ist. Zu erkennen, dass man glücklich war ist leicht, doch zu erkennen, dass man vielleicht glücklich ist manchmal Kunst. Oder so ähnlich. Versuche mich zu Taten zu zwingen, raus zu gehen, ins Leben hinaus und daran teilzunehmen als würde ich dazugehören. Klappt auch meistens ganz gut. Bin viel unterwegs, lese brav schwierige Texte für das letzte Semester und hüpfe durch die kleine Sporthalle. Step Up, Double Knee, Chacha und jetzt Kicken und Ruuuunde. Jawoll. Stolpere nicht mehr über das Step Brett, sondern werde von Tag zu Tag sicherer. Immerhin da. Es läuft also eigentlich ganz gut. Bis das rote Schild mit dem Kaffeenamen erscheint und mich wieder zurückwirft. Meilenweit. Ich ducke mich schon, wenn das rot von weitem leuchtet. Die kindliche Taktik: Wenn meine Augen geschlossen sind, kann man mich nicht sehen. Funktioniert auch. Und dann gibt es die uneingeschränkt schönen Momente: Mit Gin Tonic in der Hand auf der Tanzfläche, der DJ spielt Joy Division, The Smiths und Modest Mouse hintereinander und ich will ihn umarmen. Tu ich dann auch schließlich, zumindest mit Worten, denn er legt einen neuen Song auf, der mich an nichts Vergangenes erinnert, sondern der puren Neuanfang verheißt. Ein Song, der noch frei ist von Erinnerungen und darauf wartet mit Assoziationen gespickt zu werden. Ich tänzle zum DJ, forme mit den Händen ein Sprechrohr und frage nach dem Song. Er grinst, freut sich sichtlich über seine musikalische Überzeugungskraft und schreibt mir einen Zettel: Jack Penate - Torn on the platform. Neuer Song, neuer Versuch. Danke dafür, Eavo. Was war sonst so? Städtetrip mit netten Menschen nach Berlin, München und Wien. Kultur in der deutschen Hauptstadt, einen Monet von nahem bestaunt, Dirndl angezogen und festgestellt wie gemütlich die Tracht ist, sich im Schottenhammel von besoffenen Italienern aus Napoli anmachen lassen, die meinten mich zu lieben, in Wien 5 Stunden in der Notaufnahme gesessen und zusehen müssen, wie ein Mensch vor unseren Augen stirbt. Nur dass nicht wie bei Greys Anatomy Musik im Hintergrund läuft. Sondern es echt ist und ganz schön schockt. Über den Prater flaniert, kurz Prinzessin gespielt und Tanzkarte á la Sissi erstellt und schließlich mit dem Flieger zurück in den Alltag geflogen. Wollte fast ins Cockpit einbrechen und den Piloten zwingen mich nach Windhoek zu bringen, waren dann aber doch nur Gedanken und ich saß brav auf meinen Platz und hab die Wolken bewundert. So war das die letzten Wochen. Nicht schlecht eigentlich, wenn man so Bilanz zieht. Wenn das rote Schild nicht wäre.

I Love The Rain The Most

Songs der Stunde: Joe Purdy - I love the rain the most // Joe Purdy - The City

'I love the rain the most when it stops' singt mir Joe Purdy direkt ins Ohr. Und tatsächlich: Schaue ich links aus dem Fenster, ragt ein hellblauer Himmel über den Baumkronen, die bei 200 Stundenkilometern langsam verwischen. Auf der rechten Seite haben sich die Wolken noch nicht ganz entschieden, wo sie hinwollen. Also Song auf Repeat gestellt. Neuer Versuch. Der Zug knarrt als er die Weiche erreicht, es schaukelt etwas und mein Kopf, der an die Wand gelehnt ist, kriegt einen Dämpfer. Wieder unterwegs durch Deutschland. Sänk ju for trawelling wis deutsche baaahn. Gern geschehen. Wieder rastlos, auf der Flucht und auf der Suche nach etwas anderem. Nach was? Ich weiß es nicht. Ob ich es dort finde? Wir fahren in einen kleinen Bahnhof ein. Bünde. Nein, hier ist das Glück auch nicht. Wieder einsteigen bitte. Ich sitze immernoch ans Fenster gelehnt. Mit Joe Purdy. Ich fühle mich wie in einer Soap-Opera. Ich spiele die dramatische Hauptrolle und gerade ist meine Serien-Figur in Schwierigkeiten, auf Sinnsuche, sie ist weggelaufen, aber es wird mit jedem zurückgelegten Kilometer besser und in dem Moment, wo sie in den Zug eingestiegen ist, erklingen die ersten Gitarrenakkorde. No more rain today, we gonna celebrate. Das Lied läuft und auf dem Fernsehbildschirm sieht man diese junge Frau in der grünen Jacke, mit traurigen Augen, sie sitzt im Zug und schaut aus dem Fenster. Alles in Slomo. Man sieht wie die Baume und Sträucher draußen vorbeiziehen, wie sich ihr Spiegelbild im Fenster wiederfindet, mit Stöpseln im Ohr, den Schal dreimal um den Hals geschlungen. Ab und zu Windräder, dann ein Bahnhof, der Zug fährt ein und wieder raus, Leute warten, alleine, zu zweit, glücklich, genervt, sie knabbern am Brötchen, trinken Latte 2 go, tapsen auf der Stelle. Immernoch Joe Purdy. Minute 3:02. Ich beobachte. Immernoch Slomo auf dem Bildschirm. Überlege, was die Menschen dort auf dem Bahnsteig wohl denken. An wen sie denken. Wo wollen sie hin? Wer wartet auf sie? Auf mich wartet niemand. Jedenfalls nicht so wie ich es mir wünschte. I love the rain the most when it stops. Und so lange nehme ich eben den Regenschirm.

Somewhere over there where things just seem to grow

Songs der Stunde: The Zutons - Dirty Dancehall // The Zutons - Remember // Broken Social Scene - Anthem for a Seventeen year old Girl // Miriam Makeba - African Convention // Mafikizolo - Emlanjeni // Bornsnyder - Can Still Feel You

Ein neuer Tag. Der Tag setzt sich zusammen aus dem Klingeln des Weckers, Wake up little darling we got a lot of things to do, oder doch nicht. Umdrehen, aber die Haustür knallt laut. Ich bin wach. Schleppe mich unter die Dusche, Milch eingeschüttet. Kein Essen heute früh. Kein Appetit. Und dann? Immer wieder den gleichen Text durchlesen, wieder ein Fehler gefunden. Doch worum geht es eigentlich? Zu viel darüber nachgedacht, Begriffe zu oft benutzt um zu wissen, was sie eigentlich bedeuten. Worte verlieren irgendwann ihre Bedeutung. Das Telefon schweigt. Verliere mich in Plänen, in Vorfreude auf das, was irgendwann mal kommen wird. Oder denke an das was mal war. An das, was mich mal glücklich gemacht hat. Der Spaziergang durch Liverpool zum Beispiel. Der Sonnenuntergang in Sossusvlei. Das Flohmarktbummeln in Berlin. Zutons angemacht. Komisch, die Klänge führen mich zurück zur Bronzefigur von John Lennon und zurück zu den komischen gelben Wassermobilen. Und den tollen Schmuckladen, in dem ich vor lauter Glück fast ohnmächtig geworden bin. Aber das war mal alles. Jetzt ist nichts. Würde gerne schlafen, wie Dornröschen und dann einfach irgendwann wieder aufwachen. Woanders. Und dass dann plötzlich alles schön ist. Aber das geht ja nicht. Spätestens wenn die Tür knallt bin ich wach. Also suche ich weiter. Ich bin eine Glückssucherin. Ein Plausch mit dem Dozenten in der Bib, ein paar freundliche Worte. Dann der Postbote, dem ich extra noch die Tür aufschließe. So nett war lange keiner mehr zu mir, sagt er
und freut sich. Zu mir auch nicht, denke ich und radle los. HundM macht kurz glücklich, der Latte Macchiato im Kunstcafé auch, die Johanniskraut Tabletten tun ihr übriges, das Layoutproblem gelöst, Bierchen am Eck getrunken. Sehr viel kurzes Glück für einen Tag. Gut. Weiter so. Eigentlich ist mir gerade nicht nach Welt. Aber gut, Rotwein und Sprite geschnappt, mit Rouge die blassen Bäckchen gepudert und los zu lieben Menschen. Auf der Suche nach Glück. Nicht aufgeben.

you still are my africa

CD des Tages: "Acoustic Africa" - Putumayo

Die Sehnsucht ist so groß. Nach diesem großen Kletterbaum in Sossusvlei, Savannah, den Autofahrten auf endlosen Straßen, der pinken Sonne, nach Foschini, dem Milchkaffee im Craft Centre, den lieben Menschen, der Unbeschwertheit. Was würde ich geben zurück nach Namibia, oder überhaupt nach Afrika zu kommen! Höre Elemotho rauf und runter, um das Gefühl wieder zu bekommen. Vor allem dem Glücksgefühl. Katti ist gerade aus Windhoek zurückgekehrt und voller Wehmut saßen wir gestern in Münsters einzigem afrikanischem Restaurant und haben Erinnerungen ausgetauscht. Fotos geguckt. Pläne geschmiedet. Überlegt ob wir nich einen Heiratsantrag von Taxifahrer, Parkwächter und co hätten annehmen sollen, aber nur unter der Auflage dort zu bleiben. Nicht, dass ich dort immer leben möchte. Nein. Aber grad erscheint das alles viel Verlockender und Schöner als das, was ich hier habe. Vor allem war es das Letzte Mal, dass ich richtig glücklich war und das über lange Zeit. Klar, auch da gab es Alltagsstress, besonders wegen der Arbeit oder weil man abends so schlecht nach Hause kam. Ich konnte mir das Glück noch einige Zeit danach bewahren, die Gelassenheit beibehalten, aber irgendwann wurden die grauen Wolken größer als die Erinnerung an den pinken Himmel. Wie komme ich wieder einmal dorthin? Komisch, die Frage beschäftigt mich momentan mehr als meine Abschlussarbeit. Tja. It´s all about the heart. Morgen werd ich mir ne CD mit afrikanischer Musik kaufen und südafrikanischen Rotwein. Da kommt zwar Sprite rein, aber hey ich bin auch Europäerin!

 

Caution the floors wet in here been crying

Song des Tages:  Alles und nichts irgendwie.

Immer kleine Schritte machen. Mit kleinen Dingen versuchen alles wieder in Ordnung zu bringen. Schon immer waren es kleine Dinge, die mir am meisten Glück bereitet haben. Nicht das große Weihnachtsgeschenk, sondern der SchnickSchnack dazwischen. Und wie kann man die kleinen Dinge in den Examens- und Leidensalltag bringen? Die InStyle würde sagen: Dressen sie sich auch zuhause, für sich selbst und den süßen Postboten, der vielleicht gerade heute klingeln wird. Also Casual-Home-Outfit herausgesucht, neuen Frust-geshoppten Schal und Shirt angezogen, Nägel lackiert und an die Arbeit gemacht. Pause bei Erdbeerkerzenduft, Cola light und südafrikanischer Instyle. Ach. Kurz ist es besser. Eine Mail von Lena. Pläne schmieden, Kilometer berechnen, Aussicht auf kleines Abenteuer. Danke für diesen Wink des Schicksals. Es kann einfach eh nicht mehr schlimmer werden. Youtube Video von Scooter bei Gülcans Hochzeit angeguckt. Kurzer Lachflash. Gut, Lachen doch nicht verlernt. Aber hallo? Scooter mit "How much is the fish" direkt nach der Trauung. Das ist der Scherz des Jahres. Danke dafür liebe Gülli.

Get me some Whiskey, now!

Songs des Tages: Michelle Branch - Breathe // Regina Spektor - Flyin // Regina Spektor - Back Of a Truck // Joseph Arthur - In the sun // Tegan & Sara - Where does the good go // Elemotho - K´gala Namib // Modest Mouse - Missed the boat

Irgendwie scheint meine Rechnung zu stimmen. Ein gutes Jahr. Ein schlechtes Jahr. Mir ist das irgendwann mal aufgefallen, dass auf ein schönes, gelungenes, erfülltes Jahr immer ein trauriges, stressgeplagtes folgt. Leider bin ich grad im schlechten Jahr. Klar, man kann sich das auch einreden, Mundwinkel hochziehen und das Blatt wenden. Aber das klappt einfach nicht. So sehr ich es versuche. Wie auch, wenn man 4 Monate lang jeden Tag am Schreibtisch sitzt zu einer Zeit, wo man im letzten Jahr Sanddünen hochgeklettert ist. Das ist doch unfair. Und es ist keine Besserung in Sicht. Selbst wenn ich nochmal die Zeit für Abenteuer haben sollte, fehlt das Geld dazu. Ich muss unbedingt noch was erleben, bevor mein erster Job anfängt. Bevor ich in der Alltagsspirale gefangen bin und mich da lange nicht raus befreien kann. Träume sind so groß, wenn man an den Schreibtisch gekettet ist. Wenn draußen die Sonne scheint - ich das Leben aber nur aus dem Fenster beobachte. Nur anderen Leuten beim Leben zu gucke. Drama, baby. Jaja Endspurt jetzt, lange ists nicht mehr, dann kann ich wenigstens eine zeitlang wieder selbst bestimmen wo es langgeht mit mir. Aber kleine Highlights hellen die wolkenbehangene Stimmung auf: Wie der Musikabend letztes Wochenende. Tollen Song aufgenommen und Hanni hat sogar ein Orchester bekommen als Backround tadaaaa. Sowas macht Freude und entschädigt für den Stress dazwischen. Und für dumme neue Handys, die man gleich wieder zurückschicken muss. Und fürs einsam sein, weil alle anderen Urlaub haben. Immerhin habe ich ein fabelhaftes neues Sommerkleid und auch wenn ich keine Möglichkeit hab es anzuziehn, freut mich seine Anwesenheit in meinem Kleiderschrank

Achtung, Kunst!

 

Es ist grau, metallisch und spuckt Wasser. Von weitem sieht es aus wie ein Reinigungsgerät der Stadt. Toll, denke ich mir, endlich wird der Aasee sauber gemacht und von den fiesen Blaualgen befreit.
Doch, halt. Seltsam. Asiaten stehen um das Ungetüm herum und knipsen Bilder, eine Studentin sitzt auf dem Klapphocker daneben und ich erkenne das Team-Shirt. Das ist Skulptur Projekte 2007 in Münster. Skulpturen von Künstlern aus aller Welt in der ganzen Stadt verteilt. Touristen kommen und mieten sich gelbe Räder, auf denen groß "Radstation" geschrieben steht. Aber man erkennt sie sowieso. An ihrer verwirrten ängstlichen Fahrweise. Weil sie zusammenzucken, wenn die junge Studentin mit Mp3 Player im Ohr flink von links überholt und noch schnell der Linie 2 den Weg abschneidet. Komisch futuristisch aussehende Busse versperren den Domplatz und kutschieren die neugierigen Kunstfreunde durch die Stadt. Überall lauert die Kunst. Eine große Blech-Blume, die auf hessisch und anderen Sprachen Geschichten erzählt. Eine Schnur, die einmal um die Stadt gespannt ist. Ein Streichelzoo am Bahnhof. Ein Stahungetüm mit draufgesteckten Händen. Nur der Münsteraner, der kein Tourguide oder Prospekt an der Hand hat, ist verwirrt. Man radelt zur Arbeit, schaut links. Da steht etwas, was vorher da noch nicht stand. Kunst? Nein. Nur ein neuer Papierkorb. Ok. Weiterradeln. Wieder halt. Doch doch, das ist nun Kunst. Auch wenn es eigentlich eine öffentliche Toilette ist. Aber da Touristen davorstehen und im Heftchen blättern, muss es doch Kunst sein. Plötzlich sieht man die Stadt mit anderen Augen. Fühlt sich den Touristen gegenüber erhaben, weil die das Münsteraner Tempo nicht verstehen. Dafür verstehe ich die Kunst nicht. Na ja. Ich geb mir Mühe. Schnappe mir ein Prospekt und ab gehts zur SkulpTOUR.

Wir sind am Ende allein, aber alles muss sich reimen

Songs der Stunde: Kettcar - Mein Skateboard kriegt mein Zahnarzt // Imogen Heap - Speeding Cars // Modest Mouse - The View // Gary Jules - Falling Awake // Ingrid Michaelson - The Way I Am // Lisa Loeb - Wishing Heart



Schlaf hält auf. Meine Mutter hat sich totgelacht, als ich das zu ihr gesagt habe. Aber so ist es leider im Moment. Ich habe so viel zu tun, so viele Gedanken zu denken und Dinge zu tun, dass die Ruhe zu kurz kommt. Und wenn ich ruhe, dann irgendwie nicht richtig, weil zu viel in meinem Kopf rumschwirrt. In den letzten 24 Stunden war ich an tausend verschiedenen Orten, bin in Züge, Taxen, Autos ein- und ausgestiegen und habe überall mal "Hallo" gesagt. Mein kleines Köfferchen im Schlepptau. Fünf Paar Schuhe für die handvoll Stunden - aber ich weiß ja nie was kommt, wo es mich hintreibt. Im Moment würde ich gerne mal wieder im Kettcarschen Heimathafen sein. Ausschlafen, nichts tun und das auch ohne schlechtes Gewissen. Achach, egal, bin etwas nölig heute, weil ich bestimmt ne Erkältung kriege und mich das gerade nervt und weil mich überhaupt einiges ziemlich nervt. Aber Mundwinkel hochgezogen, knallgrüne Jacke angezogen, Rockmusik in den CD-Player, kurz tanzen und in die neue Woche starten ohne ein Groll zu sein. Es kommt wie es muss. Und ansonsten: Pferde satteln, weiterreiten. Haha, Kettcar passen einfach immer. War am Donnerstag mal wieder auf einem Kettcar Konzert (mein 8.!) und immernoch kriege ich Gänsehaut. Wirklich. Ich wusste nicht, dass man bei rockenden Gitarren Gänsehaut bekommen kann, aber es geht. Marcus Wiebusch ist gerade mal wieder mein Songschreibegott und ich werde total tricky ein Kettcar-Zitat in meine Examensarbeit einbauen. Den Spaß will ich einfach haben. Und in 20 Jahren freu ich mich dann noch drüber .

also was ist: zu erkennen dass man glücklich war ist leicht
na also was wird: zu erkennen dass man glücklich ist ist kunst
nichts überstürzen, die nacht drüber schlafen
einmal kurz sammeln im heimathafen
der weg ist das ziel, mit miesem gefühl
und du: auf dem ozean
anders als gedacht, mein schatz

Mmm whacha say? That you only meant well?

Songs der Stunde: Imogen Heap - Hide And Seek // Dustin Kensrue - Hide And Seek Cover (http://www.youtube.com/watch?v=wZqkKJgBkDs&mode=related&search=) // Regina Spektor - On The Radio // Kate Havnevik - Grace // Maria Mena - Miss You Love // Modest Mouse - Dashboard // The Smiths - Ask // Dogs Die In Hot Cars - Godhopping

 

Bamm. Direkt ins Ohr. Man macht den Song an, weiß, dass man es eigentlich lassen sollte, weils depressiv macht und so furchtbar traurig ist. Aber man kann nicht anders, weil die Stimme direkt ins Herz geht, weil sie singt "mmmh whacha say" und das Gänsehaut macht. Weils Acapella ist und mit dem Vocoder verzerrt. Und ich sitze hier, versuche mich zu beruhigen und nicht zu nervös zu sein. Draußen fahren Autos vorbei. Im Haus gegenüber brennt Licht, ein junges Pärchen zieht ein und renoviert. Im Fernsehen erzählt Tom Buhrow von den Nachrichten des Tages. Und die Welt dreht sich weiter. Alles nicht so schlimm. Du schaffst das schon flüstert Imogen Heap mir mit ihrem "Whacha say" ins Ohr. Keine Panik, die Magisterarbeit wird schon fertig, die Artikel schaffst du auch rechtzeitig, das Bewerbungsgespräch wird schon laufen und du bist ein Glückskind, die Fragen werden schon die richtigen sein und es gibt Leute, die dich lieb haben. Manchmal einfach einen Blick raus werfen, durchatmen und alles nicht mehr so schlimm.

Komisch, wie kleine Dinge meinen Tag retten können. Heute war es eine Reportage von Kisch, die ich für meine Magisterarbeit analysieren muss. Es ist kein witziger Text und trotzdem musste ich schmunzeln. Weil er so großartig schreibt und so ungewöhnlich. Ich überlege, wo ich solche Techniken auch mal anwenden könnte, aber muss an den Redakteur denken der mir dann sagt "hannah, das gehört da nicht rein, das hat nix mit dem thema zu tun". nun gut also nicht. keine experimente.

Sonst alles prima grad eigentlich. Besten Geburtstag seit Jahren gehabt. Alt bin ich nun. 24. Autsch. Wir sind auf Partys, wo Männer, die wir gut finden, kleine Mädchen anbaggern. Seltsam. Aber haben jetzt den perfekten Spruch gefunden. "Hey, meine Freundin könnte deine Lehrerin sein!". Pah zischt doch ab ihr göörlies. Denn die Katti und die Meike unterrichten Deutsch-LKs. War am Geburtstag im Frankenland bei der Anna und wir hatten kleines Gipfeltreffen mit der alten Meute. Wie lieb ich sie habe. Und wie lange wir uns schon kennen. Mussten uns erinnern wie wir vor 12 Jahren Geburtstag gefeiert haben: Mit Mini Playback Show, Cola, bunten Tüten und getrennten Schlafräumen für Jungs und Mädchen. Viel hat sich nicht geändert. Heute heisst es SingStar, Bier wird mit Cola gemischt und die Jungs schlafen zwar bei uns, aber genauso unschuldig wie mit 12.Toll, dass es noch Freundschaft gibt.

Ich schließe mit einem Auszug aus dieser wundervollen Kisch-Reportage (über das Sechstagerennen):

 "Draußen schleppen Austrägerinnen die Morgenblätter aus der Expedition, Arbeiter gehen in die Fabriken, ein Ehemann gibt der jungen Frau den Morgenkuß, ein Polizist löst den anderen an der Straßenecke ab, ins Café kommen Gäste, jemand überlegt, ob er heute die grauschwarz gestreifte Krawatte umbinden soll oder die braun gestrickte, der Dollar steigt, [...] eine Dame lässt sich das Haar färben, ein Schuljunge macht seine Rechenaufgaben, in den Häusern sitzen Leute auf dem Klosett und lesen die Zeitung, jemand träumt, bloß mit Hemd und Unterhose bekleidet in einen Ballsaal geraten zu sein, ein Gymnasiast kann nicht schlafen, denn er wird morgen den pythagoräischen Lehrsatz nicht beweisen können, ein Arzt amputiert ein Bein, Menschen werden geboren und Menschen sterben, eine Knospe erblüht und eine Knospe verwelkt, [...] der Mensch ist gut und der Mensch ist schlecht - während die dreizehn, ihren Hintern auf ein sphärisches Dreieck aus Leder gepreßt, unausgesetzt rundherum fahren, unaufhörlich rundherum, immerfort mit kahlgeschorenem Kopf und behaarten Beinen nicken, rechts, links, rechts, links."

 Egon Erwin Kisch: "Elliptische Tretmühle" aus Der rasende Reporter, 1924

 

 

Schreib das auf, Kisch!

Warum wollen Sie Journalist werden? (1)

 

„Du studierst Magister?“, schallt es mir entgegen und mit einem misstrauischen Gesicht setzt mein Gegenüber nach, „was will man denn damit machen?“. „Ich werde Journalistin“, entgegne ich selbstbewusst. Ich ernte keine aufmunternden Worte, keine Glückwunsche für die Zukunft, nur ein „das wollen viele“. Das stimmt auch. Es scheint als würde fast jeder Zweite, der heutzutage an den deutschen Universitäten Geistes- oder Sozialwissenschaften studiert, „irgendwas mit Medien“ machen wollen. Ich auch. Nur, dass ich weiß, wovon ich spreche und mein Herz daran hängt. Seit nun insgesamt fünf Jahren habe ich für mich herausgefunden, dass Journalistin mein Traumberuf ist. Habe jede freie Minute dafür aufgewendet Praktika zu machen, als freie Mitarbeiterin zu arbeiten oder einfach nur Zeitung zu lesen – um zu lernen. Ja, ich weiß, dass der Beruf in Wirklichkeit nicht so sehr glitzert, wie es von außen manchmal erscheint. Ich weiß, dass der Alltag oft lang, anstrengend und nervenzehrend sein kann. Aber ich weiß auch, dass es trotzdem genau das Richtige für mich ist. Jeden Tag werde ich darin bestätigt. Wenn ich am Bahnhof stehe und sich ein Paar tränenreich verabschiedet, denke ich sofort daran, dass man das Thema „Fernbeziehung“ mal wieder aufgreifen könnte. Wenn ich privat ein Konzert besuche, schreibe ich schon in Gedanken eine Kritik, um am nächsten Tag in der Zeitung nachzulesen, wie der Kollege es formuliert hat. Ich sehe eine politische Talkshow und schimpfe innerlich darüber, dass man diesen oder jenen Gast besser hätte einladen können. Als Bundestagspraktikantin in Berlin sollte ich auf einer Tagung eigentlich meine Abgeordnete vertreten, habe mich aber in die Pressekonferenz mit Günther Beckstein im Rahmen dieser Tagung geschlichen, um dem Berliner Politikjournalismus näher zu kommen. Mein Alltag besteht daraus Geschichten zu suchen, zu finden und weiterzugeben. Ob ich gerade im „Dienst“ bin oder nicht. Journalistin ist mein Traumberuf und mein Hobby zugleich – obwohl ich auch die Schattenseiten zur Genüge kennen gelernt habe. Es ist das, was ich will. Und das was ich kann.

 (1) Frage 11 des Bewerbungsbogens der Axel Springer Akademie für den Jahrgang 2008.

I am on a lonley road and I am traveling

Songs der Stunde: Joni Mitchell - All I Want // Joni Mitchell - This Flight Tonight // The Beatles - Eleonor Rigby // Regina Spektor (Geheimtipp!) - Buildings // Regina Spektor - Fidelity // Tori Amos - Silent All These years // Feist - So sorry // Frou Frou - Hear Me Out // The Wreckers - Leave The Pieces


[Hunter S. Thompson]

Inspiration! So viel Kunst und schlaue Gedanken im Moment um mich herum, will wirr schreiben können wie Hunter S. Thompson, recherchieren wie Kisch und lange Bandwurmsätze mit Sinn aneinanderreihen wie Brinkmann, will so belesen sein wie mein Prof, will Songs schreiben können und das, was ich denke in richtige Wort packen. Jetzt sitze ich hier im Ferienhaus und schreibe Gedankenfetzen auf, um gleich mit dem Musiker zusammen einen Song zu Papier zu bringen. Aber irgendwie krieg ich kein Reimschema hin. Nicht, dass es sich reimen müsste, tuts ja bei Nina Hagen auch nicht, dann nämlich ist es Punk, aber irgendwie ist das ganze runder, wenn die Worte zueinander passen. Und wie ich hier gerade so schnell tippe, merke ich, dass die Brinkmannschen Bandwurmsätze in einem Weblog nicht funktionieren. Entschuldigt. Worum solls in dem Song gehen? Um weglaufen. Weglaufen vor Situationen, Gefühlen und ein bisschen vor der Konfrontation mit sich selber. Tightrope Walker ist grad mein Lieblingswort. Denn so fühle ich mich. Wie eine Seiltänzerin tänzel ich durch meinen Alltag, immer darauf bedacht keinen falschen Schritt zu machen, damit ich nicht wieder so tief falle. Metaphorik!

Ich muss manchmal selber ein bisschen über mich schmunzeln. Darüber, dass ich manche Leute verehre, voller Ehrfurcht und Hochachtung saß ich gestern in der Vorlesung und habe erst meinen Magisterprof und seine verdammt coole gebildete Art bewundert und anschließen den Feuilleton-Chef der Süddeutschen angehimmelt. Der hat nämlich über den Zusammenhang von Pop-Musik und Hochkultur referiert und meine These unterfüttert, dass Pop-Musik durchaus als Kunst anzusehen ist und nicht nur trivial daherkommt. Meine Frage: Wie werde ich Feuilleton-Chefin ? Dann gibts nämlich jede Woche eine Musik-Beilage. Jawoll.

So, ich stecke nun mal meine Texte in das Handtäschchen und ab gehts zum Mikrofon. Mit Prosecco dabei. Und noch etwas: Glück ist einfach nur eine Frage der EInstellung. Sollte ich mir morgen nochmal durchlesen.

 

I try to say goodbye and I choke

Songs der Stunde: Ryan Adams - New York New York // Snow Patrol - Chocolate // Macy Gray - I Try // Arctic Monkeys - Fluorescent Adolescent // Mika - Happy Ending // Kettcar - Genauer betrachtet

Ich hab jetzt "Garden of Love" auf den Zehennägeln. Jawohl. Klingt toll, oder? Fühl mich jetzt furchtbar sommerlich und beschwingt. Heute wieder den ganzen Nachmittag in Cafés verbracht und mir die Sonne ins Gesicht scheinen lassen. Hallo Welt! Aber ich muss Sonnenstrahlen aufsaugen, denn ab jetzt bin ich eine Geisel der Bibliothek. Habe nun endlich mein Magisterarbeitsthema und bin gerade fleissig am Recherchieren.Anfang Oktober ist Abgabe. 100 Seiten. Und die zählen 50 Prozent meiner Examensnote, also sollte ich mich schon anstrengen. Aber ich bin glücklich mit meinem Thema und vor allem glücklich mit meinem Prof, der ein kleiner Star in der Literaturszene ist und ich bin stolz, dass er mein Thema gut findet! Schreibe über "Zwischen Literatur und Journalismus - Eine narrative Analyse der Reportagen von Hunter S. Thompson und Egon Erwin Kisch". Juhu. Thompson find ich echt prima. Der Typ ist total wirr im Kopf und ich mag seinen Schreibstil sehr. Mir wurde ja auch schon nachgesagt, dass mein Stil etwas Gonzo sei. Noch bin ich sehr motiviert. Hab den Schreibtisch examens-fit gemacht und heute vier stunden in der Bib bei der Literaturrecherche zugebracht. Wobei ich es dort immer gruselig finde. Das Magazin der Bib im Keller wäre wirklich bestens geeignet um Horrorfilme zu drehen, wo einer armen kleinen Studenten von hinten der Hals umgedreht wird. Es ist so dunkel und schmutzig. Und das Licht geht immer erst dort an, wo man gerade langgeht. Unheimlich! Scream!

Was sonst noch? Bin immer noch die Königin im Weglaufen. Bin ständig unterwegs oder "on the run" wie Katti sagen würde. Nie mehrere Tage an einem Ort, keinen Abend allein zu haus. Doch heute. Das soll ein Experiment sein. Ich hoffe es geht glücklich aus.

 

I'm sad but I'm laughing I`m brave but I´m chickenshit I`m sick but I`m pretty

Album der Stunde: Alanis Morissette "Jagged Little Pill" 

Endlich konnte ich die Sommerröcke rauskramen und erste Sommerluft schnuppern. Wenn die Sonne scheint und man draußen herum läuft, fällt es schwer traurig zu sein und alles scheint schaffbar. Donnerstag von Olli Schulz & der Hund Marie unterhalten lassen - ganz großes Kino! Promo-Kenner Hannah hatte vom letzten Interview noch seine Handy-Nr. und kurz überlegt ob ich anrufen soll...während des Auftritts...denn sein Handy war in der Hosentasche. Aber soooo sehr Groupie bin ich dann grundsätzlich doch nicht. Außer bei Mando Diao vielleicht. Die sind aber auch hübscher.

Freitag endlich wieder Musik gemacht mit den zwei Experten. Haben mir zuliebe "Happy Ending" von MIKA aufgenommen. EIn bombastischer Pop-Song, den wir mit kleinen Effekten gecovert haben. Und die Jungs mich so süß gelobt, mir über den Kopf gestrichen und gesagt ich sei das Goldkelchen. Obs am Alkohol lag? Doch mal wieder festgestellt, dass ich es nicht mag erst nach Hause zu kommen, wenn andere Leute wieder arbeiten, die Vögel singen und es taghell ist. Aber hey...das is Rock`n`Roll, oder nicht?

Ich halte mich tapfer bei all dem, was mir so Schreckliches passiert ist in der letzten Zeit. Und ausserdem gibts ja Alanis Morissette - die richtet das schon. I`ve got one hand in my pocket and the other one is giving a high five! 

The hardest story that I`ve ever told - no hope, or love, or glory

Songs der Stunde:

Mika - Happy Ending // The Killers - Glamorous Indie Rock´n`Roll // Sido - Goldjunge // Dave Matthews Band - Grace Is Gone // Maximo Park - Girls who play guitars // Schuyler Fisk - From Where I`m Standing

 Ich habe viele Schimpfworte gelernt. Worte, die man im Alltag nicht anwenden mag, auch wenn man es so gerne möchte, um manchen Menschen die Meinung zu sagen und es mit so einem Wort einfach auf den Punkt zu bringen. Wer mein Lehrer war? Sido! Ich alleine auf einem Sido Konzert zwischen kleinen Gangster-Kindern, die sich verdammt cool gefühlt haben. Karla Kolumna musste knallhart aus der Szene berichten und ich hab mich dort, zwischen den ganzen Teenagern, die eine Sprache sprechen, die ich nur schwerliche verstehe, wie ein embedded reporter gefühlt. Nur dass der Spaßfaktor um einiges höher war. Ich Indie-Rock´n`Roll-Mädchen zum ersten Mal im Kreise des Hip-Hop. Und hey, es hätte schlimmer sein können! Ansonsten dröppelt mein Leben so vor sich hin - Uni, Arbeit und das drumherum. Mal wieder festgestellt, dass das Wichtigste überhaupt die Freunde sind und wenn man die hat kann man alles überstehen. Und die hab ich. Und wenn die Freunde dann noch Prosecco und Kaffeelikör im Kühlschrank haben ist es gleich besser. Gedanken kurz verdrängt. Danke. Neuer Tag, von vorne.

Bin schon wieder wie eine Hummel. Will etwas tun, was Neues entdecken. Irgendwo hinfahren. Mir ist aufgefallen, dass ich exakt vor einem Jahr in Liverpool war und wie schön das war. EIn Wochenende komplett andere Welt. Ach das bräuchte ich mal wieder. Weiß nur nicht wann und wohin. Praktisch habe ich Zeit, aber theoretisch ist meine To-Do-Liste ellenlang. Müsste soviel tun, aber dann scheint die Sonne und der Latte Macciato aus dem Café duftet bis in meine Wohnung und schwupps ist der Tag wieder rum und nix geschafft. Schrecklich. Aber nun gut, Studentin eben. Ich werd trotzdem alles irgendwie schaffen - hab ich bis jetzt ja immer. Die Sonne scheint eigentlich immer für mich, sie hat sich nur kurz hinter den Wolken versteckt und bald ist alles wieder gut. Ich schließe die Augen, blinzle einmal und *pling* Probleme adé. Klappt bestimmt. Ich üb nochmal ein bisschen. 

We´ll make the best of what`s around

Schön die Arme in die Luft strecken, um langsam wach zu werden. Habe mir an einem Sonntag den Wecker auf 9 Uhr gestellt, denn heute sollte ja der erste Frühlingstag sein und den wollte ich nicht verschlafen. Aus dem Bett gehüpft, sich von Sonnenstrahlen, die durchs Fenster fallen wachkitzeln lassen und ab in die Laufhose. Nicht nur ich hatte die Idee so früh schon um den Maschsee zu laufen. Und so fühl ich mich wie ein Teil einer großen Gute-ÖLaune-Frühlings-Firtness-Bewegung. Der See glitzert gut gelaunt, Inline-Skater ziehen ihre Runden und die Boote plätschern durchs Wasser. Und ich laufe. Mit Dave Matthews und Maximo Park im Ohr. Besser kann ein Tag nicht beginnen. Überhaupt alles schön im Moment, alles macht wieder Sinn und ich bin sehr glücklich. Jahrelange Arbeit zahlt sich doch aus. Ja und morgen nun das Highlight: Dave Matthews Konzert. Und das bedeutet mir sehr viel. Dave steht irgendwie für eine Zeit, in der für mich noch nicht alles so glatt lief und immer war Daves Stimme da und hat mich getröstet. Und morgen endlich das Live-KOnzert in meinem geliebten Berlin. Schade, dass keine Zeit mehr bleibt noch durch den PrenzlBerg zu schlendern und Berliner Luft zu schnuppern, aber das hole ich bald alles nach. Gerade ist meine Vorfreude riesig und ich werde mich in die erste Reihe boxen und versuchen Dave anzuquatschen. Das werd ich ja wohl schaffen

Hunting For Witches

Ich böse Hexe. Mit großen Augen schauen sie mich an, blättern in der Cocktailkarte, ganz lässig als sei es absolut selbstverständlich. "Vier Long Island Ice Tea" werden bestellt von einer Gruppe zahnspangentrangender Teenager, die zuvor gackernd über irgendjemand gelästert haben. "Da müsste ich einmal euren Ausweis sehen", kontere ich und alle kramen lässig in der Tasche. Raunen sich zu "hast du deinen dabei", die Tasche wird geöffnet und so getan als würde man suchen - "nee hab ich heute nicht dabei". Gut. "Hier ist die Seite mit den alkoholfreien Cocktails", sage ich und ernte böse Blicke. Tja. Wieder arme Kinder vor den Tücken des Alkohol bewahrt. Sie hassen mich dafür, aber das ist mir egal . Mein Terminkalender ist voll; das ganze Wochenende kellnern, um mein Konto aufzubessern, dass so furchtbar karg daherkommt. Schließlich will ich bald noch mit ihm nach Berlin, über die Kastanienallee schlendern, in den Second Hand Shops in der Schönhauser Allee stöbern und im Bundestag erneut bemerken, wie schön sich große Politik anfühlt. Aber erstmal der Pflichtteil: kellnern, Hausarbeit schreiben, Artikel abarbeiten. Sonnenscheinkünstlerin Hannah setzt sich dabei kleine Highlights, um nicht unterzugehen. Es sind die kleinen Dinge, die mich glücklich machen. Joggen auf der Promenade, ein Glas Rotwein während des Hausarbeitsschreibens und die frischen Tulpen auf meiner Kommode. Und Dave Matthews nächste Woche. Ein Traum. Adieu.

Tage wie Sekunden

Der gelbe Textmarker leer, vor mit türmt sich ein Berg von kopierten Texten mit Ausrufezeichen am Rand. Es ist die vierte Seminararbeit in diesem Semester und ich hab keine Lust mehr. Jetzt auch noch ein juristisches Thema. Die Juristen sind eh seltsam. 7 cm Rand soll ich lassen - ähm ja, da brauch ich dann ja kaum noch was schreiben. Auch gut. Juristen habens eh nicht so mit ausschweifender Sprache. "Schreiben Sie in kurzen Sätzen, alles andere lese ich nicht gerne!", gab uns der Prof mit auf den Weg. Gut. Dann eben eine juristische Arbeit im Popliteratur-Stil. Warum auch nicht.

Aber anstatt zu schreiben, lenk ich mich ab. Nehme Zeitungstermine an (Element of Crime Konzert besuchen! Was schwere Arbeit *g*) und überlege mir Geschichten, die die Chefredaktion so beeindrucken wird, dass mir das Volo sicher ist. Seltsame Stimmung grad hier bei uns. Alles endet irgendwie, die letzten Vorlesungen, letzte Hausarbeiten, letztes Praktikum und Examensvorbereitung. In einem Jahr sind wir alle nicht mehr da. Verteilt durch ganz Deutschland, weg aus der warmwohligen Höhle Münsters. Ich spaziere am Juridicum vorbei, sehe Erstsemester die ihre Bibliothekskarte beantragen und plötzlich will ich nicht mehr weg. Dabei war das seit Beginn mein Ziel: So schnell wie möglich wieder weg. Mit Abschluss in der Tasche. Aber jetzt, wo es konkret wird, grummelt es in der Magengegend bei dem Gedanken daran bald keine Studentin mehr zu sein.

Ach wird schon, du machst das; reden mir andere ein und ich mir auch. Sonst könnte ich auch nicht mehr ruhig schlafen. Ich tänzle weiter um den Schreibtisch in der Hoffnung endlich Lust auf die Seminararbeit zu haben. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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