Tage wie Sekunden

Der gelbe Textmarker leer, vor mit türmt sich ein Berg von kopierten Texten mit Ausrufezeichen am Rand. Es ist die vierte Seminararbeit in diesem Semester und ich hab keine Lust mehr. Jetzt auch noch ein juristisches Thema. Die Juristen sind eh seltsam. 7 cm Rand soll ich lassen - ähm ja, da brauch ich dann ja kaum noch was schreiben. Auch gut. Juristen habens eh nicht so mit ausschweifender Sprache. "Schreiben Sie in kurzen Sätzen, alles andere lese ich nicht gerne!", gab uns der Prof mit auf den Weg. Gut. Dann eben eine juristische Arbeit im Popliteratur-Stil. Warum auch nicht.

Aber anstatt zu schreiben, lenk ich mich ab. Nehme Zeitungstermine an (Element of Crime Konzert besuchen! Was schwere Arbeit *g*) und überlege mir Geschichten, die die Chefredaktion so beeindrucken wird, dass mir das Volo sicher ist. Seltsame Stimmung grad hier bei uns. Alles endet irgendwie, die letzten Vorlesungen, letzte Hausarbeiten, letztes Praktikum und Examensvorbereitung. In einem Jahr sind wir alle nicht mehr da. Verteilt durch ganz Deutschland, weg aus der warmwohligen Höhle Münsters. Ich spaziere am Juridicum vorbei, sehe Erstsemester die ihre Bibliothekskarte beantragen und plötzlich will ich nicht mehr weg. Dabei war das seit Beginn mein Ziel: So schnell wie möglich wieder weg. Mit Abschluss in der Tasche. Aber jetzt, wo es konkret wird, grummelt es in der Magengegend bei dem Gedanken daran bald keine Studentin mehr zu sein.

Ach wird schon, du machst das; reden mir andere ein und ich mir auch. Sonst könnte ich auch nicht mehr ruhig schlafen. Ich tänzle weiter um den Schreibtisch in der Hoffnung endlich Lust auf die Seminararbeit zu haben. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

28.2.07 14:45

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