Schreib das auf, Kisch!

Warum wollen Sie Journalist werden? (1)

 

„Du studierst Magister?“, schallt es mir entgegen und mit einem misstrauischen Gesicht setzt mein Gegenüber nach, „was will man denn damit machen?“. „Ich werde Journalistin“, entgegne ich selbstbewusst. Ich ernte keine aufmunternden Worte, keine Glückwunsche für die Zukunft, nur ein „das wollen viele“. Das stimmt auch. Es scheint als würde fast jeder Zweite, der heutzutage an den deutschen Universitäten Geistes- oder Sozialwissenschaften studiert, „irgendwas mit Medien“ machen wollen. Ich auch. Nur, dass ich weiß, wovon ich spreche und mein Herz daran hängt. Seit nun insgesamt fünf Jahren habe ich für mich herausgefunden, dass Journalistin mein Traumberuf ist. Habe jede freie Minute dafür aufgewendet Praktika zu machen, als freie Mitarbeiterin zu arbeiten oder einfach nur Zeitung zu lesen – um zu lernen. Ja, ich weiß, dass der Beruf in Wirklichkeit nicht so sehr glitzert, wie es von außen manchmal erscheint. Ich weiß, dass der Alltag oft lang, anstrengend und nervenzehrend sein kann. Aber ich weiß auch, dass es trotzdem genau das Richtige für mich ist. Jeden Tag werde ich darin bestätigt. Wenn ich am Bahnhof stehe und sich ein Paar tränenreich verabschiedet, denke ich sofort daran, dass man das Thema „Fernbeziehung“ mal wieder aufgreifen könnte. Wenn ich privat ein Konzert besuche, schreibe ich schon in Gedanken eine Kritik, um am nächsten Tag in der Zeitung nachzulesen, wie der Kollege es formuliert hat. Ich sehe eine politische Talkshow und schimpfe innerlich darüber, dass man diesen oder jenen Gast besser hätte einladen können. Als Bundestagspraktikantin in Berlin sollte ich auf einer Tagung eigentlich meine Abgeordnete vertreten, habe mich aber in die Pressekonferenz mit Günther Beckstein im Rahmen dieser Tagung geschlichen, um dem Berliner Politikjournalismus näher zu kommen. Mein Alltag besteht daraus Geschichten zu suchen, zu finden und weiterzugeben. Ob ich gerade im „Dienst“ bin oder nicht. Journalistin ist mein Traumberuf und mein Hobby zugleich – obwohl ich auch die Schattenseiten zur Genüge kennen gelernt habe. Es ist das, was ich will. Und das was ich kann.

 (1) Frage 11 des Bewerbungsbogens der Axel Springer Akademie für den Jahrgang 2008.

21.5.07 22:02

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