Achtung, Kunst!

 

Es ist grau, metallisch und spuckt Wasser. Von weitem sieht es aus wie ein Reinigungsgerät der Stadt. Toll, denke ich mir, endlich wird der Aasee sauber gemacht und von den fiesen Blaualgen befreit.
Doch, halt. Seltsam. Asiaten stehen um das Ungetüm herum und knipsen Bilder, eine Studentin sitzt auf dem Klapphocker daneben und ich erkenne das Team-Shirt. Das ist Skulptur Projekte 2007 in Münster. Skulpturen von Künstlern aus aller Welt in der ganzen Stadt verteilt. Touristen kommen und mieten sich gelbe Räder, auf denen groß "Radstation" geschrieben steht. Aber man erkennt sie sowieso. An ihrer verwirrten ängstlichen Fahrweise. Weil sie zusammenzucken, wenn die junge Studentin mit Mp3 Player im Ohr flink von links überholt und noch schnell der Linie 2 den Weg abschneidet. Komisch futuristisch aussehende Busse versperren den Domplatz und kutschieren die neugierigen Kunstfreunde durch die Stadt. Überall lauert die Kunst. Eine große Blech-Blume, die auf hessisch und anderen Sprachen Geschichten erzählt. Eine Schnur, die einmal um die Stadt gespannt ist. Ein Streichelzoo am Bahnhof. Ein Stahungetüm mit draufgesteckten Händen. Nur der Münsteraner, der kein Tourguide oder Prospekt an der Hand hat, ist verwirrt. Man radelt zur Arbeit, schaut links. Da steht etwas, was vorher da noch nicht stand. Kunst? Nein. Nur ein neuer Papierkorb. Ok. Weiterradeln. Wieder halt. Doch doch, das ist nun Kunst. Auch wenn es eigentlich eine öffentliche Toilette ist. Aber da Touristen davorstehen und im Heftchen blättern, muss es doch Kunst sein. Plötzlich sieht man die Stadt mit anderen Augen. Fühlt sich den Touristen gegenüber erhaben, weil die das Münsteraner Tempo nicht verstehen. Dafür verstehe ich die Kunst nicht. Na ja. Ich geb mir Mühe. Schnappe mir ein Prospekt und ab gehts zur SkulpTOUR.

6.7.07 00:02

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Werbung