Schieb den Wal zurück ins Meer!

Songs der Stunde: Jack Penate - Torn on the platform // Jack Penate - Spit at stars // Art Brut - Emily Kane // Freshlyground - Doo be doo // Freshlyground - Zithande // Unathi - Ngyak Khumbula // Funny van dannen - der Wal // Colbie Caillat - the little things // John Legend - Sun comes up

 

Ich glaube an Karma. Dass Handlungen Konsequenzen haben und das den Menschen, die anderen schlechtes tun, auch schlechtes wiederfährt. Kann ja auch nicht sein, dass man ungescholten davon kommt, wenn man anderen so sehr weh tut. Und doch gibt diese Karma-Erkenntnis nur kurz Genugtuung, noch immer tänzle ich auf einem dünnen Seil, mit schönen Ballerinas zwar, aber doch recht wacklig und immer nah am Abgrund. Der Markenname auf dem Latte Macchiatto-Glas schafft es innerhalb von Sekunden meine gute Laune, meine Pläne und meinen Aktionismus zu zerstören. Wieder am Boden, wieder aufstehen und sich diesmal vornehmen stärker zu sein. Es erscheint oft so als hätten nur die anderen Menschen ein spannendes Leben, würden Neues erleben und Hürden meistern, ich bleibe dahinter zurück, auch wenn es objektiv vielleicht gar nicht so ist. Zu erkennen, dass man glücklich war ist leicht, doch zu erkennen, dass man vielleicht glücklich ist manchmal Kunst. Oder so ähnlich. Versuche mich zu Taten zu zwingen, raus zu gehen, ins Leben hinaus und daran teilzunehmen als würde ich dazugehören. Klappt auch meistens ganz gut. Bin viel unterwegs, lese brav schwierige Texte für das letzte Semester und hüpfe durch die kleine Sporthalle. Step Up, Double Knee, Chacha und jetzt Kicken und Ruuuunde. Jawoll. Stolpere nicht mehr über das Step Brett, sondern werde von Tag zu Tag sicherer. Immerhin da. Es läuft also eigentlich ganz gut. Bis das rote Schild mit dem Kaffeenamen erscheint und mich wieder zurückwirft. Meilenweit. Ich ducke mich schon, wenn das rot von weitem leuchtet. Die kindliche Taktik: Wenn meine Augen geschlossen sind, kann man mich nicht sehen. Funktioniert auch. Und dann gibt es die uneingeschränkt schönen Momente: Mit Gin Tonic in der Hand auf der Tanzfläche, der DJ spielt Joy Division, The Smiths und Modest Mouse hintereinander und ich will ihn umarmen. Tu ich dann auch schließlich, zumindest mit Worten, denn er legt einen neuen Song auf, der mich an nichts Vergangenes erinnert, sondern der puren Neuanfang verheißt. Ein Song, der noch frei ist von Erinnerungen und darauf wartet mit Assoziationen gespickt zu werden. Ich tänzle zum DJ, forme mit den Händen ein Sprechrohr und frage nach dem Song. Er grinst, freut sich sichtlich über seine musikalische Überzeugungskraft und schreibt mir einen Zettel: Jack Penate - Torn on the platform. Neuer Song, neuer Versuch. Danke dafür, Eavo. Was war sonst so? Städtetrip mit netten Menschen nach Berlin, München und Wien. Kultur in der deutschen Hauptstadt, einen Monet von nahem bestaunt, Dirndl angezogen und festgestellt wie gemütlich die Tracht ist, sich im Schottenhammel von besoffenen Italienern aus Napoli anmachen lassen, die meinten mich zu lieben, in Wien 5 Stunden in der Notaufnahme gesessen und zusehen müssen, wie ein Mensch vor unseren Augen stirbt. Nur dass nicht wie bei Greys Anatomy Musik im Hintergrund läuft. Sondern es echt ist und ganz schön schockt. Über den Prater flaniert, kurz Prinzessin gespielt und Tanzkarte á la Sissi erstellt und schließlich mit dem Flieger zurück in den Alltag geflogen. Wollte fast ins Cockpit einbrechen und den Piloten zwingen mich nach Windhoek zu bringen, waren dann aber doch nur Gedanken und ich saß brav auf meinen Platz und hab die Wolken bewundert. So war das die letzten Wochen. Nicht schlecht eigentlich, wenn man so Bilanz zieht. Wenn das rote Schild nicht wäre.

23.10.07 15:53

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Werbung