There's something I will always lack

Songs der Stunde: Amanda Rogers - This Beauty // Jason Mraz - I`m Yours // Rooney - When Did Your Heart Go Missing // Citizen Cope - Sideways // Paula - So wie jetzt // Moldy Peaches - Anyone Else But You // The Sunshine Underground - Put You In Your Place

Mein Job ist es anderen Leuten beim Leben zuzuschauen. Mit Notizblock, Sonnenbrille und einer großen Portion Idealismus sause ich durch die Stadt, schüttele Hände, ja ich bin Journalistin, ja ich bin noch jung, stelle meine Fragen, setze mich wieder an den Schreibtisch und denke über das Leben und Tun anderer Leute nach. Fasse es zusammen, dort wo es nötig ist wird Fades in schöne Worte gekleidet, doch immer sind es die anderen, die leben. So glaube ich. Das Mädchen in der Dachgeschosswohnung gegenüber trägt heute ein lila T-Shirt. Immer wieder schaue ich rüber, sie wird wohl so alt sein wie ich, auch blond, Mittwochs ist ihr Fernseher immer eingeschaltet und eine Freundin ist zu Besuch. Wie bei mir, als ich noch Freundinnen hatte, die bei mir waren. Jetzt sind sie weit weg und mit geschlossenen Augen und Telefon am Ohr denken wir uns nebeneinander. Das Mädchen fährt ein Mountainbike, ist nachts oft nicht zuhause. Sie hat bestimmt einen Freund, denke ich mir und während sie in ihrer Küche steht, denke ich mich in ihr Leben hinein. Meine Playlist läuft im Hintergrund und könnte der Soundtrack sein. Für sie oder für mich? Ich weiß es nicht. Immerzu beobachte ich, frage andere aus, betrete Bereiche, die sonst kaum jemand Fremdes wahrnehmen kann. Die gestreifte Bluse soll mich älter machen, die Fragen nach meiner Kompetenz ins Leere laufen lassen, mich dafür qualifizieren anderer Leute Leben anzuschaun und aufzuschreiben. Doch wenn ich immer nur bei anderen dabei bin, zuschaue, nicht teilnehme, was macht dann mein Leben aus. Der große Schmerz ist weg, tief vergraben unter äußerlichen Erfolgen, unter Veränderung und neuer Kleidung. Verschwunden ist er nicht, kann er auch nie sein, wie ein Windhauch umspült er mich noch manchmal, dann mache ich die Lederacke zu und flitze schneller als er in der Hoffnung immer einen Schritt voraus zu sein. Besser, erfolgreicher, glücklicher. Doch wann ist man glücklich? Dann, wenn man nicht mehr traurig ist? Ich habe das Wettrennen gewonnen, am Ende des kleinen Weges bei mir um die Ecke treffe ich ein bekanntes Gesicht, ach du hier wie schön, eigentlich kennen wir uns kaum, egal, wie geht es dir? werde ich gefragt. danke, gut. Würde ich einen Text über mich schreiben müssen, so würde er enden.

 

13.5.08 03:01

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